Coherent Lasersystems Göttingen

Hoher Druck auf den Arbeitgeber: Bis zu 15 Prozent Abstand zum Flächentarif

22.06.2026 | Beim Lasertechnikhersteller Coherent in Göttingen hält der Tarifkonflikt seit dem Frühjahr 2025 an. Nachdem die Geschäftsführung Gespräche über einen Tarifvertrag zunächst abgelehnt hatte, legten die Beschäftigten am 22. Mai 2025 erstmals in der Geschichte des Standorts die Arbeit nieder. Seither haben sie ihre Forderung nach der Anerkennung des Flächentarifvertrags der Metall- und Elektroindustrie Niedersachsen mit weiteren Warnstreiks und Arbeitsniederlegungen bekräftigt.

Foto: Mirco Erbbrecht

Auf den wachsenden Druck der Belegschaft reagierte das Unternehmen mit Gehaltserhöhungen und einer Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Bereits 2024 stiegen die Einkommen je nach Entgeltgruppe um bis zu vier Prozent, in den unteren Lohngruppen sogar um bis zu acht Prozent. 2025 folgten weitere Erhöhungen von drei Prozent für höhere Gehaltsgruppen sowie bis zu 4,7 Prozent für die unteren Lohngruppen. Gleichzeitig wurde die Wochenarbeitszeit von 40 auf 37,5 Stunden reduziert.

Für die Beschäftigten ersetzen diese Maßnahmen jedoch keinen Tarifvertrag. „Diese Taktik soll vertuschen, dass die Löhne in der Produktion und der Logistik bis zu 15 Prozent unter dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie liegen“, sagt Vertrauenskörperleiter Lars Fröchtenicht. Er arbeitet seit mehr als 26 Jahren bei Coherent und kennt nach eigenen Angaben die Entwicklung des betrieblichen Lohngefüges genau. „Ich müsste mich als Angestellter nicht engagieren, weil ich nicht so stark betroffen bin. Ich tue es aus Solidarität“, erklärt er. „Es ist einfach unfair, dass diejenigen, die am härtesten arbeiten, am schlechtesten bezahlt werden.“

Auch am Coherent-Standort Lübeck hatten Beschäftigte für einen Tarifvertrag gekämpft. Dort sei die Tarifbewegung nach den Zugeständnissen des Arbeitgebers zunächst zum Stillstand geraten, berichtet Sascha Rossmann, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Süd-Niedersachsen-Harz. Gleichzeitig verweist er darauf, dass bislang nur die Standorte Göttingen und Lübeck durch ihren Arbeitskampf höhere Einkommen und eine verkürzte Wochenarbeitszeit erreicht hätten. Die übrigen zehn deutschen Standorte des US-Konzerns profitierten bislang nicht davon.

In Göttingen wollen die Beschäftigten ihren Druck deshalb weiter erhöhen. „Wir werden nach der Sommerpause wieder volle Fahrt aufnehmen“, kündigt Rossmann an.

 

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